AEVO Ausbilderschein

Ausbilden ohne Ausbilderschein: Ausnahmen, Befreiung, Ausbildungsbeauftragte

Erfahre, wann du ohne Ausbilderschein ausbilden darfst, welche Ausnahmen gelten und wer befreit ist. Dieser Artikel klärt die rechtlichen Vorgaben.

Von Gründer und Geschäftsführer Veröffentlicht am 7 Min. Lesezeit
Erfahrener Handwerker und Kollegin begleiten einen Auszubildenden an der Werkbank, ausbilden ohne eigenen Ausbilderschein

Wer im Betrieb ohne Ausbilderschein ausbilden möchte, darf dies nur in bestimmten Ausnahmefällen, denn grundsätzlich verlangt das Berufsbildungsgesetz die persönliche und fachliche Eignung. Zur fachlichen Eignung gehören neben dem beruflichen Abschluss auch die arbeitspädagogischen Kenntnisse, die in der Regel über die Ausbilder-Eignungsprüfung nachgewiesen werden.

Dieser Beitrag im TestHelden-Magazin klärt, für wen Ausnahmen gelten und wann eine Befreiung möglich ist. Erfahrene Fachkräfte, Betriebsinhaber und angehende Ausbildungsbeauftragte erfahren hier, welche rechtlichen Vorgaben greifen. Mehr Grundlagen findest du im Überblick zum Ausbilderschein und bei den Voraussetzungen für den Ausbilderschein.

Auf einen Blick: Ausbilden ohne Ausbilderschein

  • Voraussetzung: Wer selbst ausbildet, muss persönlich und fachlich geeignet sein, was in der Regel den AdA-Schein erfordert.
  • Ausbildungsbeauftragte: Sie dürfen unter der Verantwortung eines geeigneten Ausbilders ohne eigene Prüfung mitwirken.
  • Befreiung: Meister gelten als geeignet, Fachwirte legen meist nur den praktischen Teil ab, Altausbilder vor 2009 brauchen keinen Nachweis.
  • Freie Berufe: Für diese Berufsgruppen gilt die Pflicht zur Ausbilder-Eignungsprüfung nicht.
  • Betriebsinhaber: Wer als Inhaber nicht selbst geeignet ist, muss geeignete Ausbilder bestellen.

Darf man als Ausbilder ohne Ausbilderschein tätig sein?

Grundsätzlich nein, denn das Berufsbildungsgesetz schreibt vor, dass Ausbilder persönlich und fachlich geeignet sein müssen.

Zur fachlichen Eignung gehören neben den beruflichen Fähigkeiten aus deinem Abschluss und deiner Berufspraxis auch die berufs- und arbeitspädagogischen Kenntnisse. Diese weist du in der Regel durch die bestandene Ausbilder-Eignungsprüfung nach. Die bestandene Prüfung allein macht dich allerdings noch nicht ausbildungsberechtigt, sondern erst die Kombination aller Voraussetzungen.

Braucht man einen Ausbilderschein im freien Beruf?

Angehörige freier Berufe, wie Ärzte, Apotheker, Rechtsanwälte oder Steuerberater, sind von der Pflicht zur Ausbilder-Eignungsprüfung ausgenommen.

Sie dürfen in ihren Praxen und Kanzleien ausbilden, ohne den AdA-Schein bei der zuständigen Kammer abzulegen.

Ist der Ausbilderschein Pflicht oder gibt es Ausnahmen?

Die Ausbildereignungsverordnung und das Berufsbildungsgesetz regeln, wann der Ausbilderschein Pflicht ist und wer davon ausgenommen wird.

Die Tabelle zeigt dir, wann du ganz oder teilweise ohne den klassischen Nachweis ausbilden darfst.

Situation Ausbilderschein nötig? Was gilt
Regulärer Ausbilder Ja Nachweis der arbeitspädagogischen Eignung erforderlich.
Ausbildungsbeauftragte Nein Wirken unter Verantwortung eines geeigneten Ausbilders mit.
Betriebsinhaber ohne Eignung Nein Muss geeignete Ausbilder im Betrieb bestellen.
Meister Nein Mit bestandener Meisterprüfung gelten Meister als geeignet, im Handwerk ist die Ausbildereignung Teil IV.
Fachwirte Teilweise Vom schriftlichen Teil befreit, wenn der Abschluss es vorsieht;, nur praktischer Teil nötig (Zehn-Jahres-Frist).
Altausbilder (vor 1. August 2009) Nein Kein Nachweis nötig, sofern es keine Beanstandungen gab.
Studium Teilweise Anerkennung auf Antrag im Einzelfall möglich.
Freie Berufe Nein Von der Pflicht zur Ausbilder-Eignungsprüfung ausgenommen.

Wie funktioniert die Befreiung vom Ausbilderschein?

Wer bereits eine Meisterprüfung oder eine andere Fortbildungsprüfung mit integrierter Ausbildereignung bestanden hat, gilt automatisch als geeignet und benötigt keine zusätzliche AEVO-Prüfung.

Im Handwerk ist die Ausbildereignung sogar ein fester Pflichtteil der Meisterprüfung (Teil IV). Für andere Abschlüsse gibt es die Möglichkeit einer teilweisen oder vollständigen Befreiung:

  • Fachwirte: Wenn dein IHK-Fortbildungsabschluss es vorsieht, bist du vom schriftlichen Teil befreit. Du legst dann nur den praktischen Prüfungsteil ab. Wichtig: Die Anmeldung muss innerhalb von zehn Jahren nach deiner Fortbildungsprüfung erfolgen.
  • Studium: Staatliche oder staatlich anerkannte Prüfungen aus einem Studium können auf Antrag ganz oder teilweise anerkannt werden. Bedingung ist, dass sie die vier Handlungsfelder der AEVO abdecken. Die Kammer entscheidet hier im Einzelfall und stellt eine Bescheinigung aus.
  • Altausbilder: Wer bereits vor dem 1. August 2009 ausgebildet hat, ist komplett befreit, sofern es in der Vergangenheit keine Beanstandungen gab.

Eine solche Befreiungsbescheinigung der Kammer gilt zeitlich unbefristet. Auch für das reguläre Prüfungszeugnis sehen weder die Ausbilder-Eignungsverordnung noch das Berufsbildungsgesetz ein Ablaufdatum oder eine Auffrischung vor.

Was darf ein Ausbildungsbeauftragter ohne Ausbilderschein?

Ein Ausbildungsbeauftragter ohne Ausbilderschein darf Fachwissen und praktische Fertigkeiten direkt am Arbeitsplatz vermitteln, solange dies unter der Verantwortung eines geeigneten Ausbilders geschieht.

Mit dem AEVO / AdA IHK-Prüfungstrainer übst du typische Aufgaben mit Lösungen und planst deine Vorbereitung bis zum Testtag.

Das bedeutet: Der Hauptausbilder plant die Ausbildung, trägt die rechtliche Verantwortung und führt die Beurteilungsgespräche. Du als Ausbildungsbeauftragte oder Ausbildungsbeauftragter übernimmst zeitweise die Betreuung in deiner Abteilung. Du zeigst Arbeitsabläufe, wendest Methoden wie die 4-Stufen-Methode an und begleitest die Auszubildenden im Tagesgeschäft. Dafür verlangt das Gesetz keine eigene AEVO-Prüfung, da die übergeordnete Verantwortung beim Hauptausbilder bleibt.

Wie läuft die Ausbildung ohne Ausbilderschein für Betriebsinhaber ab?

Wenn du einen Betrieb führst, aber selbst nicht über die persönliche oder fachliche Eignung verfügst, darfst du dennoch Ausbildungsplätze anbieten, sofern du geeignete Ausbilderinnen oder Ausbilder bestellst.

Diese bestellten Ausbilder übernehmen dann die Ausbildungsfunktion im Betrieb. Sie müssen die volle Eignung, also die beruflichen Fähigkeiten und die arbeitspädagogischen Kenntnisse, nachweisen. Du als Betriebsinhaber trägst weiterhin die unternehmerische Verantwortung, delegierst aber die eigentliche Ausbildungsarbeit an dein qualifiziertes Personal.

Wann ist ausbilden ohne AEVO keine gute Idee?

Auch wenn du rechtlich als Ausbildungsbeauftragter tätig sein darfst, kann das dauerhafte Ausbilden ohne AEVO in der Praxis didaktische Herausforderungen mit sich bringen.

Wer dauerhaft Auszubildende betreut, profitiert von den didaktischen und rechtlichen Grundlagen, die in der Vorbereitung auf den Ausbilderschein vermittelt werden. In der Prüfung beweist du, dass du Ausbildungsvoraussetzungen prüfen, die Ausbildung planen, durchführen und abschließen kannst. Der aktuelle Rahmenplan legt dabei mit rund 50 Prozent der empfohlenen Lehrgangszeit einen starken Schwerpunkt auf die praktische Durchführung der Ausbildung. Dieses Wissen hilft dir, Konflikte zu lösen, Lernziele richtig zu formulieren und die Auszubildenden erfolgreich zur Abschlussprüfung zu begleiten.

Gut vorbereitet in die AEVO-Prüfung

Wenn du dich entscheidest, die Prüfung abzulegen, hilft dir der AEVO Testtrainer von TestHelden. Ein strukturierter Lernplan begleitet dich bis zum Prüfungstermin, damit du genau weißt, was drankommt.

Was kostet die Prüfung, wenn du sie doch ablegst?

Falls du keine Befreiung hast oder dich freiwillig qualifizieren möchtest, fallen bei der zuständigen Kammer Prüfungsgebühren an, die jede IHK oder HWK in ihrer eigenen Gebührenordnung festlegt.

Die Tabelle zeigt Beispiele für die Kosten der kompletten Ausbilder-Eignungsprüfung bei verschiedenen Kammern.

Balkendiagramm: Gebühr in Euro. Gebühr in Euro: IHK Berlin 200, Handelskammer Hamburg 213, IHK Köln 219, IHK Region Stuttgart 260, IHK für München und Oberbayern 290, IHK Hannover 310.
Gebühr in Euro. Die Werte stehen in der Tabelle darunter.
Zuständige Kammer Gebühr in Euro
IHK Berlin 200
Handelskammer Hamburg 213
IHK Köln 219
IHK Region Stuttgart 260
IHK für München und Oberbayern 290
IHK Hannover 310

Wer als Fachwirt vom schriftlichen Teil befreit ist und nur den praktischen Teil ablegt, zahlt meist weniger. Bei der IHK Hannover sinkt die Gebühr in diesem Fall beispielsweise auf 200 €, bei der Handelskammer Hamburg auf 106,50 €. Vorbereitungslehrgänge sind freiwillig; Online-Kurse kosten meist zwischen etwa 500 € und 700 €. Eine eigene staatliche Förderung rein für die AEVO gibt es nicht, jedoch kann der Arbeitgeber die Prüfungsgebühr übernehmen.

Fazit: Ausbilden ohne Ausbilderschein

Ausbilden ohne Ausbilderschein ist nur in bestimmten Ausnahmefällen erlaubt, etwa als Ausbildungsbeauftragter unter der Verantwortung eines bestellten Ausbilders, in freien Berufen oder mit einer entsprechenden Befreiung. Für alle anderen gilt: Die persönliche und fachliche Eignung muss nachgewiesen werden, um Auszubildende rechtssicher und pädagogisch fundiert zu begleiten.

Wenn du die Ausbilder-Eignungsprüfung ablegen möchtest, empfehlen wir den AEVO Testtrainer von TestHelden. Du nutzt einen klaren Lernplan bis zum Prüfungstermin und erhältst am Ende ein Abschlusszertifikat. So gehst du gut vorbereitet in die Prüfung.

Wie bereitest du dich auf die Prüfung vor?

Ein Vorbereitungslehrgang ist nicht vorgeschrieben, sodass du selbst entscheidest, wie du dich auf die Prüfung vorbereitest.

  1. Zuständigkeit klären: Örtlich zuständig ist meist die Kammer, in deren Bezirk du wohnst, arbeitest oder einen Lehrgang besuchst. Kläre vorab, ob du für eine teilweise Befreiung infrage kommst.
  2. Fristen beachten: Der Anmeldeschluss liegt je nach IHK zwischen etwa zwei und acht Wochen vor dem schriftlichen Termin. Da viele Termine früh ausgebucht sind, lohnt sich eine rechtzeitige Anmeldung im Prüfungsportal der Kammer.
  3. Schriftlichen Teil üben: Die 180-minütige Theorieprüfung besteht aus Multiple-Choice-Fragen, die bundeseinheitlich gestellt werden. Eine Aufgabe zählt nur dann als richtig, wenn du alle korrekten Antworten markiert hast.
  4. Praktischen Teil planen: Überlege dir frühzeitig eine berufstypische Ausbildungssituation für deine Präsentation oder praktische Durchführung. Dieser Teil (Präsentation oder Durchführung) dauert höchstens 15 Minuten, gefolgt von einem etwa 15-minütigen Fachgespräch. Der gesamte praktische Teil dauert höchstens 30 Minuten.
  5. Nachteilsausgleich prüfen: Menschen mit Behinderung können einen Nachteilsausgleich beantragen, beispielsweise mehr Prüfungszeit oder zugelassene Hilfsmittel. Dieser Antrag gehört spätestens zur Prüfungsanmeldung.

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Kurz beantwortet

Häufige Fragen zu Ausbilden ohne Ausbilderschein

Die wichtigsten Antworten zum Artikel auf einen Blick.

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Darf man ohne Ausbilderschein ausbilden?

Grundsätzlich ist die Ausbilder-Eignungsprüfung für die fachliche Eignung erforderlich, um Auszubildende zu betreuen. Es gibt jedoch Ausnahmen und Befreiungen, beispielsweise für Ausbildungsbeauftragte unter Verantwortung eines geeigneten Ausbilders oder in freien Berufen. Die persönliche und fachliche Eignung ist gesetzlich vorgeschrieben.

Braucht ein Ausbildungsbeauftragter einen Ausbilderschein?

Ein Ausbildungsbeauftragter benötigt keinen eigenen Ausbilderschein, um mitzuwirken. Er darf Fachwissen und praktische Fertigkeiten vermitteln, solange dies unter der Verantwortung eines persönlich und fachlich geeigneten Ausbilders geschieht. Die übergeordnete Verantwortung bleibt beim Hauptausbilder.

Wer ist von der Ausbilder-Eignungsprüfung befreit?

Von der Ausbilder-Eignungsprüfung befreit sind Personen, die eine Meisterprüfung oder eine andere Fortbildungsprüfung mit integrierter Ausbildereignung bestanden haben. Auch Fachwirte können vom schriftlichen Teil befreit sein, und wer vor dem 1. August 2009 ausgebildet hat, benötigt keinen Nachweis. Eine Anerkennung von Studienleistungen ist im Einzelfall möglich.

Benötigen Meister einen Ausbilderschein?

Nein, wer eine Meisterprüfung bestanden hat, gilt bereits als geeignet und benötigt keine zusätzliche Ausbilder-Eignungsprüfung. Im Handwerk ist die Ausbildereignung sogar ein Pflichtteil der Meisterprüfung (Teil IV).

Was gilt für Fachwirte bezüglich des Ausbilderscheins?

Fachwirte und andere IHK-Fortbildungsabschlüsse, die dies vorsehen, sind vom schriftlichen Teil der Ausbilder-Eignungsprüfung befreit. Sie legen dann nur den praktischen Teil ab. Die Anmeldung muss innerhalb von zehn Jahren nach der Fortbildungsprüfung erfolgen.

Zählt ein Studium als Ausbildereignung?

Staatliche oder staatlich anerkannte Prüfungen aus einem Studium können auf Antrag ganz oder teilweise als Ausbildereignung anerkannt werden. Dies ist möglich, wenn die Studieninhalte die vier Handlungsfelder der AEVO abdecken. Die zuständige Kammer entscheidet über die Anerkennung im Einzelfall.

Wie kann ich mich auf die AEVO-Prüfung vorbereiten?

Ein Vorbereitungslehrgang ist nicht vorgeschrieben, die Art der Vorbereitung ist frei wählbar. Viele Prüflinge üben mit einem Prüfungstrainer gezielt fallbezogene Aufgaben und folgen einem Lernplan bis zum Prüfungstermin.

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Gründer und Geschäftsführer

Tom Wenk hat TestHelden gegründet und führt das Unternehmen als Geschäftsführer der eHEROES GmbH. Im TestHelden-Magazin schreibt er seit 2020 über Einstellungstests und Auswahlverfahren: bei Polizei, Bundeswehr und Zoll, bei IHK-Prüfungen sowie bei Aufnahmetests für Medizin, Psychologie und Studium. Seine Beiträge erklären den Ablauf, die typischen Testbereiche und eine gezielte Vorbereitung.

Veröffentlicht am im TestHelden-Magazin, Bereich AEVO Ausbilderschein.

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