Zoll gehobener Dienst – Aufgaben, Gehalt, Chancen und Einstellungstest

Zoll gehobener Dienst

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Zoll gehobener Dienst – Aufgaben, Gehalt, Chancen, Einstellungstest

Wer glaubt, beim Zoll zu arbeiten sei langweilig und bestünde nur daraus, das Gepäck fremder Menschen zu durchsuchen, der täuscht sich gehörig. Tatsächlich übernimmt der Zoll viel mehr Aufgaben als nur die Grenzkontrolle und spielt dabei eine wichtige Rolle für die deutsche Wirtschaftskraft. In diesem Artikel erfährst du mehr über deine Berufschancen im gehobenen Dienst des Zolls.

Aufgaben

Zu den Aufgaben des Zolls gehört neben der Grenz-, Fracht- und Gepäckkontrolle auch die Bekämpfung von Schmuggel und Kriminalität, der Einsatz gegen Schwarzarbeit und für Arten- und Umweltschutz sowie natürlich das Erheben von Zöllen und Steuern.

Als Beamter im gehobenen Zolldienst bist du als Sachbearbeiter hauptsächlich auf der Verwaltungsebene tätig. Du hast dabei eine leitende und kontrollierende Rolle, unterstützt also deine Kollegen des mittleren Zolldienstes bei komplizierteren Sachverhalten. Wenn du im Prüfungsdienst arbeitest, gehört es zu deinen Aufgaben, Betriebe zu überwachen, die mit zollpflichtigen Gütern handeln. Ein weiterer Einsatzbereich ist die Bekämpfung von Schwarzarbeit. Hier kontrollierst du die Einhaltung des Mindestlohns sowie die korrekte Anmeldung von Mitarbeitern bei verschiedenen Arbeitsplätzen. Manchmal bist du auch daran beteiligt, Ermittlungen durchzuführen, und zwar dann, wenn ein Betrieb unter Verdacht steht, gegen die Gesetze verstoßen zu haben. Es gibt auch die Möglichkeit, auf einem Zollboot oder -schiff eingesetzt zu werden. Auf See kommen zu den regulären Aufgaben des Zolls auch noch andere Bereiche hinzu. Dazu gehören die Kontrolle der Fischerei, die Regelung der Verkehrs- und Schiffssicherheit sowie die Sicherstellung, dass sich alle an die Umweltschutzbestimmungen halten. Weiterhin stehen dir auch die Spezialeinheiten des Zolls offen. Die Zentrale Unterstützungsgruppe Zoll (ZUZ) ist dem Zollkriminalamt unterstellt und bildet eine Spezialeinheit, die mit den Spezialeinsatzkommandos (SEK) bei der Polizei verglichen werden kann. Die ZUZ kommt zum Einsatz, wenn eine erhöhte Gefahr besteht und gewährleistet so den Schutz der Zöllner. Um mit Situationen umgehen zu können, bei denen Gefahr für Leib und Leben besteht, werden die Mitglieder der ZUZ speziell ausgebildet. Die Observationseinheiten des Zolls (OEZ), welche die andere Spezialeinheit des Zolls bilden, sind dazu da, um Personen, die unter Verdacht stehen, zu beobachten und gegebenenfalls festzunehmen. Vergleichbar ist die OEZ mit den Mobilen Einsatzkommandos der Länderpolizeien.

Deine Berufswege beim Zoll

Wir unterscheiden, wenn wir über den gehobenen Dienst beim Zoll sprechen, zwischen dem gehobenen Zolldienst, wobei du tatsächlich als Zöllner arbeitest und dem gehobenen Verwaltungsinformatikdienst, bei dem du den Zoll hauptsächlich in Sachen IT und Organisation unterstützt. Für die verschiedenen Berufsbezeichnungen wird je ein gesondertes Studium angeboten. Ein signifikanter Unterschied zwischen den beiden ist zum Beispiel, dass du beim Studium für die Verwaltungsinformatik schon zu Anfang weißt, welche Aufgaben dir bevorstehen, während dir im Zolldienst mehrere Türen offen stehen. Genaueres über die verschiedenen Karrierechancen beim Zoll haben wir dir in unserem Artikel Zoll Karriere zusammengefasst. In diesem Artikel werden wir uns hauptsächlich auf den gehobenen Zolldienst beziehen. Schau also gern auch bei Zoll Duales Studium vorbei, wenn dich die Verwaltungsinformatik eher anspricht.

Voraussetzungen

Um dich für den gehobenen Zolldienst zu qualifizieren, gibt es einige Voraussetzungen. Detailliert haben wir dir diese in unserem Artikel Zoll Voraussetzungen zusammengefasst. Im Folgenden werden wir nur kurz auf die einzelnen Punkte eingehen. Zum einen ist dein Schulabschluss ausschlaggebend. Bei der Ausbildung für den gehobenen Zolldienst handelt es sich um ein duales Studium, es wird also eine Hochschulzugangsberechtigung von dir verlangt. Du solltest also das Abitur oder eine Fachhochschulreife erlangt haben. Weiterhin musst du Staatsbürger eines EU-Mitgliedstaates oder eines EWR-Staates (sprich: Norwegens, Islands oder Liechtensteins) sein. Du darfst nicht vorbestraft sein oder in Schuldverhältnissen stehen. Außerdem solltest du gesundheitlich geeignet sein. Dies wird gegebenenfalls bei einer ärztlichen Untersuchung geprüft. Bewerber, die bei Studienbeginn über 49 Jahre alt sind, werden nicht zugelassen. Weiterhin werden von dir gewisse charakterliche Eigenschaften wie Durchsetzungsvermögen oder Teamfähigkeit erwartet.

Besondere Voraussetzungen für den Einsatz auf einem Zollboot

Wenn dich die Tätigkeit auf einem Zollboot beziehungsweise Zollschiff interessiert, musst du zusätzlich noch weitere Voraussetzungen erfüllen. So benötigst du eine nautische Qualifikation, wobei drei verschiedene Befähigungszeugnisse infrage kommen. Du kannst diese auf der offiziellen Website des Zolls einsehen.

Bewerbungsprozess

Wenn du dich entschieden hast, dass du dich gern für den gehobenen Zolldienst bewerben möchtest, kannst du deine Unterlagen entweder auf dem Postweg, per E-Mail oder durch das Online-Bewerberportal einschicken. Vorher musst du auswählen, bei welchem Hauptzollamt du gern ausgebildet werden möchtest. Folgende Bewerbungsunterlagen werden auf jeden Fall von dir gefordert:

  • Tabellarischer Lebenslauf
  • Abschlusszeugnisse bzw. die letzten zwei Zwischenzeugnisse
  • Gegebenenfalls Nachweise über berufliche Tätigkeiten

Bei der Online-Bewerbung musst du auch eine Datenschutzerklärung unterschreiben. Bewirbst du dich per Post oder E-Mail, musst du einen Bewerbungsbogen ausfüllen und ein Anschreiben anfügen. Genauere Details über den Bewerbungsprozess findest du in unserem Artikel Zoll Karriere  – Aufgaben, Karrierestufen und Tipps!.

Auswahlverfahren 

Auch der Zoll führt Einstellungstests durch, um sicherzugehen, dass die am besten geeigneten Bewerber schlussendlich ausgewählt werden. Eine Einladung dazu erhältst du, wenn deine Bewerbung den Anforderungen entspricht. Es findet sowohl ein schriftliches als auch ein mündliches Auswahlverfahren statt.

Schriftlicher Einstellungstest

Zunächst musst du das schriftliche Auswahlverfahren durchlaufen. Nur bei erfolgreichem Bestehen wirst du für den mündlichen Test überhaupt zugelassen. Der schriftliche Einstellungstest beim Zoll nimmt etwa vier Stunden in Anspruch. Folgende Bereiche werden hierbei auf dich zukommen:

  • Sprachverständnis
  • Logik- und Zahlenverständnis
  • Textanalyse
  • Rechtsfälle
  • Arbeitsprobe
  • Wissenstest

Sprachverständnis

Hierbei musst du beweisen, dass du die deutsche Sprache fehlerfrei beherrscht. Dazu gehören Grammatik und Rechtschreibung, aber auch zum Textverständnis wirst du befragt werden. Wir können dir zu diesem Thema den Artikel Grammatik Einstellungstest empfehlen.

Logik- und Zahlenverständnis

Bei diesem Teil des Einstellungstests geht es um dein logisch-mathematisches Denkvermögen. In erster Linie werden deine mathematischen Fähigkeiten geprüft. Dazu gehören die mathematischen Grundlagen, Prozent- und Zinsrechnung sowie Dreisatzrechnen. Du darfst hier einen nicht programmierbaren Taschenrechner zur Hilfe nutzen. Im Artikel Mathematik Einstellungstest haben wir dir alles, was du zu diesem Thema wissen musst, zusammengefasst.

Textanalyse

Im Gegensatz zum Textverständnis musst du hier zeigen, dass du auch den Inhalt eines komplizierteren Textes durchdringen und Fragen dazu beantworten kannst.

Rechtsfälle

Hierbei werden dir Rechtsvorschriften vorgelegt, die du zunächst lesen und verstehen musst. Daraufhin ordnest du sie einem Lebenssachverhalt (also einem „Fall”) zu und musst sie schließlich mithilfe sinnvoller Schlussfolgerungen anwenden. Diese Aufgabe dient dazu, dein Geschick im Umgang mit rechtlichen Vorschriften zu prüfen.

Arbeitsprobe

Bei der Arbeitsprobe handelt es sich um eine schriftliche Arbeit, die du verfassen musst. Folgende Fähigkeiten sollst du unter Beweis stellen:

  • Ein gegebenes Problem erkennen und in Gedanken strukturieren können.
  • Einleuchtende und logische Darstellung deiner Gedanken
  • Prägnante schriftliche Ausdrucksweise, sowie korrekte Rechtschreibung und Grammatik
  • Stellungnahme zu einem vorgegebenen Thema

Wissenstest

Im letzten Teil des schriftlichen Einstellungsverfahrens soll dein Allgemeinwissen mit einem Test überprüft werden. Unter Allgemeinwissen fallen zum Beispiel Themen wie Erdkunde, Politik oder Geschichte. In unserem Artikel Allgemeinwissen im Einstellungstest kannst du mehr dazu erfahren.

Mündlicher Einstellungstest

Super! Du hast es in die nächste Runde geschafft und wurdest zum mündlichen Auswahlverfahren eingeladen. Hierbei geht es vor allem um dich als Person. Deine interpersonellen Fähigkeiten werden eingeschätzt und deine Kommunikationsfähigkeit auf die Probe gestellt. Dabei musst du neben dem klassischen Interview auch an einem Rollenspiel teilnehmen und einen Kurzvortrag halten, bei dem du einen Sachverhalt vorstellst und genauer erklärst. Im Interview kannst du, neben Fragen zu deiner Motivation und deinem bisherigen Werdegang, auch mit faktischen Fragen über den Zoll konfrontiert werden.

Deine Karriere beim Zoll

Wenn du das Auswahlverfahren erfolgreich abschließt, kann deine Ausbildung beginnen. Das duale Studium setzt sich zusammen aus theoretischen Studienabschnitten und Praktika. Du besuchst hierbei die Hochschule des Bundes am Bildungs- und Wissenschaftszentrum in Münster. Nach erfolgreichem Abschluss des dreijährigen Studiums erhältst du den akademischen Grad eines Diplom-Finanzwirts. Welche Inhalte dich erwarten und wie die Prüfungen aussehen, sowie alles Weitere, was du über das duale Studium wissen musst, erfährst du in unserem Artikel Zoll Duales Studium.

Aufstiegschancen

Nach Abschluss des Studiums geht deine Karriere erst so richtig los. Zunächst stehst du in einem Beamtenverhältnis auf Probe, welches nach Ablauf deiner Probezeit offiziell gemacht wird. Nachdem du einige wertvolle Arbeitserfahrung gesammelt hast, ist es dir auch möglich, verschiedene Führungspositionen zu übernehmen. Weiterhin wird dir die Möglichkeit geboten, an Fortbildungen teilzunehmen, bei denen du dein Fachwissen vertiefen oder erweitern kannst. Auch die ZUZ und OEZ stellen Möglichkeiten dar, wie du dich beruflich entwickeln kannst.

Besoldung

Während des Studiums verdienst du in etwa 1.510€ brutto. Danach steigst du mit der Besoldungsgruppe A9 in den Beruf ein. Wie viel du hier tatsächlich jeden Monat verdienst, hängt nicht allein von deiner Ausbildung oder Arbeitsstelle ab, sondern auch von deiner persönlichen Lebenssituation. So bekommst du zum Beispiel Zuschläge, wenn du Kinder hast oder verheiratet bist. Die Jahre an Arbeitserfahrung, die du beim Zoll hast, wirken sich ebenfalls auf deine Besoldung aus. In der Regel steigst du mit den Jahren nach und nach in höhere Besoldungsstufen auf. Grundsätzlich kannst du im gehobenen Dienst bis zur Besoldungsgruppe A13 aufsteigen.

Fazit

Wenn du beim Zoll arbeitest, ist deine Zukunft abgesichert und dein Arbeitsalltag kann durchaus spannend aussehen. Die Ausbildung für den gehobenen Dienst hat eine gesunde Balance aus Theorie und Praxis und in den drei Jahren kannst du den Beruf richtig kennenlernen. Nach Abschluss des dualen Studiums stehen dir im gehobenen Zolldienst eine Vielzahl beruflicher Möglichkeiten offen.

 

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Häufig gestellte Fragen/ FAQ

Wo liegt der Unterschied zwischen mittlerem und gehobenem Zolldienst?

Der mittlere und der gehobene Dienst beim Zoll unterscheiden sich zunächst in Bezug auf die Ausbildung. Während für den mittleren Dienst eine Berufsausbildung absolviert wird, handelt es sich bei der Ausbildung für den gehobenen Dienst um ein duales Studium. Auch die Besoldungsstufe unterscheidet sich dementsprechend. Als Zollbeamter des gehobenen Dienstes übernimmst du anspruchsvollere Aufgaben. Du bist meist in der Verwaltung tätig und hast eher eine leitende und überwachende Funktion.

Welchen Abschluss erlangt man beim Studium für den gehobenen Zolldienst?

Bei erfolgreichem Abschluss des Studiums erhältst du den Grad eines Diplom-Finanzwirts.

Was sind die Voraussetzungen, um für den gehobenen Zolldienst ausgebildet zu werden?

Zunächst musst du ein Abitur oder eine vergleichbare Hochschulzugangsberechtigung vorweisen. Du darfst nicht vorbestraft sein oder in einem Schuldverhältnis stehen. Außerdem musst du Staatsbürger eines EU-Landes oder von Norwegen, Island oder Liechtenstein sein. Bei Studienbeginn darfst du das Alter von 49 Jahren nicht überschritten haben.

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Maxie Janice

Maxie Janice

Maxie unterstützt TestHelden.com im Marketing und bei der redaktionellen Erarbeitung unseres Magazins. Die Schilderung von Abläufen der verschiedensten Einstellungstests und mögliche Karrierewege im beruflichen Leben gehören zu ihren Kernthemen.