Psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr – Interview erfolgreich meistern

Bundeswehr Karriere

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Psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr

Die Bundeswehr ist ein Arbeitgeber, bei dem die Bewerber einem hohen psychischen Druck ausgesetzt sind. Wer also eine Laufbahn bei der Bundeswehr anstrebt, muss eine hohe psychologische Belastbarkeit aufweisen. Zudem müssen die Bewerber über gewisse Charaktereigenschaften verfügen. All das wird beim psychologischen Gespräch überprüft.

Beim Einstellungstest der Bundeswehr durchläuft man verschiedene Stationen. Dazu gehören der Fitnesstest, die medizinische Untersuchung, der Computertest und das psychologische Gespräch. Das psychologische Gespräch bildet den Abschluss des Einstellungstests und ist entscheidend dafür, ob man dazu geeignet ist, die gewünschte Laufbahn bei der Bundeswehr einzuschlagen oder nicht. 

Zum psychologischen Test gehören neben dem psychologischen Gespräch und dem persönlichen Fragebogen auch die Persönlichkeitsfragen und Testergebnisse aus dem Computertest. Die Auswertung dieser Persönlichkeitsfragen und dem Computertest liegen den Prüfern vor und legen den Grundstein für das psychologische Gespräch. 

In diesem Artikel erklären wir dir, wie ein psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr abläuft, welche Fragen gestellt werden können und was dabei zu beachten ist. Auch wie du dich darauf vorbereiten kannst, werden wir dir hier erklären.

Psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr – Ablauf

Das psychologische Gespräch findet mit zwei Prüfern statt. Dabei handelt es sich meist um einen hochrangigen Offizier und einen zivilen Psychologen.

Die Prüfer versuchen möglichst viel über dich, deinen Charakter, deine Reife und deinen Wissensstand zu erfahren. Sie werden dir also zahlreiche Fragen stellen, dich dabei genau beobachten und sich Notizen machen. Beantworte diese Fragen bitte möglichst ehrlich und versuche nicht, dich zu verstellen.

Das Gespräch dauert etwa eine Stunde. Danach wirst du gebeten aus dem Raum zu gehen und draußen vor der Tür zu warten. Nach einer kurzen Beratungszeit, werden dich die Prüfer wieder in den Raum bitten, um dir ihre Einschätzung mitzuteilen. Sie werden dir auch sagen, ob du eine Chance auf deine Wunschkarriere hast oder nicht. Falls du tatsächlich dafür nicht geeignet bist, werden sie dir eine andere Laufbahn vorschlagen.

Welche Fragen kommen auf dich zu?

Ein psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr kommt einem Interview oder einem Vorstellungsgespräch gleich. Es dient dazu, dich persönlich kennenzulernen und viele Informationen über dich und deine Ziele zu erhalten. Das Ziel des Gesprächs ist es, ein Persönlichkeitsprofil zu erstellen. Die Fragen lassen sich in folgende Kategorien aufteilen:

 

  • Fragen zum bisherigen Werdegang und zu persönlichen Interessen
  • Fragen über das aktuelle Zeitgeschehen 
  • Wissen über die Bundeswehr
  • Fragen zu den Motivationsgründen
  • Persönlichkeitsfragen
  • Fragen zu deinem Umfeld
  • Fragen zu deinen Antworten im Computertest und auf dem Fragebogen
  • Situationsabhängige Fragen

Fragen zum bisherigen Werdegang und zu persönlichen Interessen

Um dich besser kennenzulernen, möchten die Prüfer erfahren, was du in einem Leben bisher gemacht hast und was beispielsweise deine Hobbies sind. Das erfahren sie unter anderem durch folgende Fragen:

 

  • Was haben Sie bisher gemacht?
  • Wo sind Sie zur Schule gegangen?
  • Was ist Ihr größtes Hobby?
  • Sind Sie Mitglied in einem Verein?
  • Sind Sie ehrenamtlich engagiert?
  • Welches Buch haben Sie zuletzt gelesen?
  • Welche Internetseiten besuchen Sie am häufigsten?
  • Welche Fächer mochten Sie in der Schule?
  • Wie kam es zu der schlechten Note im Fach … ?
  • Wie war Ihr Verhältnis zu Ihren Mitschülern und den Lehrkräften?

 

Die Bundeswehr schreibt Teamgeist und Kontaktfreudigkeit groß. Deshalb ist es wichtig, dich auch so zu präsentieren. Beschreibe dein Verhältnis zu den Mitschülern und Lehrkräften oder auch zum Arbeitgeber und den Arbeitskollegen. Falls es nicht immer so gut war, solltest du erklären, dass Unstimmigkeiten immer auf einem guten Weg gelöst werden konnten.

Falls du schlechte Noten in der Schule hattest und die Prüfer dich danach fragen, versuche schlüssig zu erklären, wie es dazu kam. Gib die Schuld nicht dem Lehrer, sondern zeige zum Beispiel auf, was dir in dem Fach liegt und was weniger. 

Fragen über das aktuelle Zeitgeschehen und Wissen über die Bundeswehr

Zu diesem Feld werden auch im Computertest Fragen gestellt. Dieses Wissen wird im psychologischen Gespräch nochmals überprüft. Falls du also einige Fragen im Test nicht beantworten konntest, lohnt es sich genau diese vor dem Gespräch nochmals anzuschauen. Hier ein paar Fragebeispiele dazu:

 

  • Wo sind die Auslandseinsätze der Bundeswehr?
  • Wer bestimmt, wer zu den Auslandseinsätzen der Bundeswehr geht?
  • Wo hilft die Bundeswehr im Inland?
  • Welche Abkommen hat die Bundeswehr?
  • Wie wird der Bundeskanzler gewählt?
  • Welche Staaten sind Mitglied der NATO?
  • In welcher Stadt befindet sich das Bundesverfassungsgericht?
  • Wer ist derzeit Verteidigungsminister in Deutschland?

 

Du solltest dich vor dem psychologischen Gespräch unbedingt über das aktuelle Weltgeschehen auf dem Laufenden halten. Damit zeigst du, dass du aktiv am gesellschaftlichen Leben teilnimmst, deine eigene Meinung hast und du die Medien nicht nur zum Filme schauen und Zeitvertreiben nutzt. Bleib bei den gestellten Fragen stets neutral und werde nicht politisch.

Fragen zu den Motivationsgründen

Die Prüfer erwarten von dir, dass du dich mit der Bundeswehr als Arbeitgeber und den Aufgaben, die dich dort erwarten, auseinandergesetzt hast. Sie möchten erfahren, was deine Motivationsgründe sind und warum du eine Karriere bei der Bundeswehr anstrebst. Zudem überprüfen sie, ob dir klar ist, welche Risiken dich erwarten und was sonst auf dich zukommt. Bereite dich deshalb auf folgende und ähnliche Fragen vor:

 

  • Warum möchten Sie bei der Bundeswehr arbeiten?
  • Was ist in Ihren Augen die wichtigste Aufgabe der Bundeswehr?
  • Beschreiben Sie, wie Sie sich den Dienstalltag vorstellen.
  • Was halten Sie von Auslandseinsätzen?
  • Was denken Sie, sind die Kernaufgaben Ihrer angestrebten Laufbahn?
  • Warum ziehen Sie die militärische Laufbahn einer zivilen vor?

Eine gründliche Recherche über deinen zukünftigen Arbeitgeber ist hier Gold Wert. Schau dir die Organisation und Aufgaben der Bundeswehr genau an und versuche dir die wichtigsten Daten und Fakten einzuprägen. Finde heraus, welche Aufgaben dich in deiner Laufbahn erwarten, welche Eigenschaften du dafür haben musst und wie die Ausbildung abläuft. 

Zudem solltest du dir überlegen, weshalb du dich für die Bundeswehr entschieden hast und warum du glaubst, dass du das Zeug zum Soldaten hast. Welche Vorteile siehst du darin?

Persönlichkeitsfragen

Damit die Prüfer sich ein genaueres Bild über dich machen können, stellen sie dir Fragen über deine Persönlichkeitsmerkmale und deine Eigenschaften. Sie möchten zudem von dir wissen, wie du dich selber einschätzt und siehst. Die Fragen dazu können so aussehen:

 

  • Gibt es etwas im Leben, was Sie heute anders machen würden?
  • Was zählen Sie zu Ihren Schwächen und was zu Ihren Stärken?
  • Wie würde Sie Ihr bester Freund in drei Worten beschreiben?
  • Wo sehen Sie sich in drei Jahren?
  • Was war Ihr größter Erfolg und was Ihr größter Misserfolg in Ihrem Leben?
  • Möchten Sie etwas an sich selber ändern?

 

Hier ist es wichtig, dass du dich realistisch einschätzt und auch Fehler und Schwächen zugeben kannst. Niemand ist perfekt. Mache den Prüfern gleichzeitig klar, dass du nicht Anderen die Schuld für deine Fehler oder Schwächen gibst. Erkläre eher, dass du aus den Fehlern gelernt hast und an dir selbst arbeitest. 

Fragen zu deinem Umfeld

Die Prüfer werden dir Fragen zu deinem sozialen Umfeld stellen, um herauszufinden, wie gefestigt du bist und welche Lebenseinstellung du verfolgst. Typische Fragen dazu können zum Beispiel sein:

 

  • Wie sieht Ihr familiärer Hintergrund aus?
  • Wie sind Sie aufgewachsen?
  • Was machen Ihre Eltern und engen Freunde beruflich?
  • Was hält Ihre Familie von Ihrer Berufswahl?
  • Kennen Sie jemanden, der bei der Bundeswehr ist?

 

Achte hier darauf, dass du keine zu persönlichen Dinge erzählst und vor allem keine intimen Einzelheiten Dritter verrätst. Sei diskret und loyal. Stelle aber beispielsweise klar, dass dir dein Umfeld bei deinen beruflichen Plänen den nötigen Rückhalt gibt.

Fragen zu deinen Antworten im Computertest und auf dem Fragebogen

Zu Beginn des Einstellungstests musstest du einen Fragebogen ausfüllen. Im Computertest kamen Fragen zu deiner Persönlichkeit dazu. Beim psychologischen Test werden einige deiner Angaben und Antworten nochmals aufgegriffen. Deine Prüfer werden dich daher bitten, gewählte Antworten genauer zu erklären. So erhältst du die Möglichkeit, deine Überlegungen zu den Fragen zu begründen, aber auch Unklarheiten richtigzustellen. 

An dieser Stelle möchten wir dich nochmals darauf hinweisen, dass es wichtig ist, alle Fragen während des Einstellungstests möglichst wahrheitsgetreu zu beantworten. Viele Fragen werden doppelt gestellt. Bei der Auswertung der Fragen kommen so Unstimmigkeiten ans Licht, falls du bei den gleichen Fragen verschiedene Antworten gegeben hast. Genau bei diesen Unstimmigkeiten oder Widersprüchen werden die Prüfer beim psychologischen Gespräch nochmals nachhaken. 

Situationsabhängige Fragen

Bei den situationsabhängigen Fragen beschreiben dir die Prüfer eine Situation und möchten wissen, wie du dich dabei verhalten würdest. Bei diesen Fragen geht es darum, den Druck auf dich zu erhöhen und zu sehen, wie du unter Stress reagierst. Bleibst du souverän oder lässt du dich verunsichern? Es ist wichtig, dass du im Einsatz immer deine Nerven behältst und mit jeder Situation zurechtkommst. Um das zu testen, werden dir zum Beispiel folgende Fragen gestellt:

 

  • Angenommen, Sie haben die Aufgabe eine Brücke zu beschützen und erhalten den Befehl alles und jeden, der über diese Brücke geht, zu erschießen. Was machen Sie, wenn eine Frau mit einem Kind darüber läuft?
  • Stellen Sie sich vor, dass während eines Einsatzes zwei Soldaten verletzt wurden. Einer ist einer Ihrer Kameraden und der andere ist ein Soldat, den Sie nicht kennen. Wem helfen Sie zuerst?
  • Was entgegnen Sie einer Person, die Ihnen nahesteht und Sie heftig für Ihre Entscheidung Soldat zu werden, kritisiert?
  • Aus welchen Gründen würden Sie auf einen Menschen schießen?
  • Warum haben Sie einen Job gewählt, bei dem Sie Ihr Leben für fremde Menschen riskieren?
  • Sie bringen bestimmte Bilder eines Einsatzes nicht mehr aus Ihrem Kopf. Was tun Sie?

Als Bewerber kannst du nicht wissen, wie die meisten Abläufe der verschiedenen Einsätze aussehen und das wird auch nicht von dir erwartet. Den Prüfern ist es wichtig zu sehen, dass du cool bleibst. Bleibe bei den Fragen ruhig und antworte am besten aus dem Bauch heraus.

So bereitest du dich am besten auf das psychologische Gespräch vor 

Du kannst dich hier eigentlich genauso vorbereiten, wie du dich auf jedes andere Bewerbungsgespräch vorbereiten würdest. Informiere dich über den Arbeitgeber und die Stelle, um die du dich bewirbst. Überlege, weshalb du diese Stelle haben möchtest und warum du dich dafür eignest. Bezogen auf das psychologische Gespräch heißt das:

 

  • Informiere dich nochmals gründlich über die Organisation, die Aufgaben und die Geschichte der Bundeswehr. Auf der Webseite der Bundeswehr findest du zum Beispiel aktuelle Meldungen und viele Informationen. 
  • Stelle Überlegungen an, weshalb du zur Bundeswehr willst. 
  • Finde heraus, was deine angestrebte Laufbahn ausmacht, wie die Ausbildung dazu abläuft, welche Eigenschaften du dazu brauchst und welche Aufgaben auf dich warten. 
  • Überlege dir, was deine Persönlichkeit ausmacht, welche Eigenschaften dich auszeichnen und was deine Stärken und Schwächen sind. 

 

Wenn du die Möglichkeit hast, spiele ein psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr mit deinen Eltern oder Freunden einmal durch. So kannst du die Situation üben und du erhältst gleichzeitig ein Feedback über dein Auftreten während dieses Gesprächs.

 

Wichtig ist, dass du deine Antworten nicht auswendig lernst oder zum Beispiel aus dem Internet kopierst. Denk daran, dass die Prüfer gut geschulte Profis sind und dich sofort durchschauen, wenn du dich verstellst oder die Antworten auswendig gelernt erscheinen. Es gibt satte Minuspunkte, wenn du nicht glaubwürdig bist. Wenn du erfolgreich abschneiden möchtest, musst du überzeugend und authentisch auftreten. 

Psychologisches Gespräch bei der Bundeswehr – Fazit

Versuche beim Gespräch natürlich zu bleiben und nicht jemand zu sein, der du nicht bist. Dann hast du die besten Chancen, für deine Wunschlaufbahn ausgewählt zu werden. Wir wünschen dir viel Erfolg bei deinem psychologischen Gespräch!

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Quellen

https://www.bundeswehr.de

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