Bundeswehr Dienstgrade und Ränge – Überblick zu Karrieremöglichkeiten und Verdienst

Bundeswehr Dienstgrade und Ränge

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Bundeswehr Dienstgrade und Ränge

Die Arbeit bei der Bundeswehr zeichnet sich durch klare Hierarchien aus. Du fragst dich, wessen Wort letztendlich entscheidend ist? Ganz einfach – Wer das Sagen hat, wird durch Dienstgrade und Ränge geregelt. Je höher du in der Rangordnung stehst, desto größer sind deine Entscheidungsmacht und dein Gehalt, allerdings auch deine Verantwortung. Dies klingt völlig logisch, aber welche Dienstgrade und Ränge gibt es und woher kommen sie? Dies und mehr erfährst du hier.

Die Geschichte der Dienstgrade

Stand Juli 2020 gibt es insgesamt 85 Dienstgradbezeichnungen bei der Bundeswehr. Einige dieser Bezeichnungen gehen bis auf das Mittelalter zurück. Freie Söldner in der Zeit der Landsknechte bildeten eine Berufsgruppe, in der es eine Hierarchie ähnlich der heutigen gab. Sie diente als Vorlage für Gliederungen vieler europäischer Armeen. 

Aus dieser Zeit stammt unter anderem der Feldwebel, der damals wie heute das Bindeglied zwischen Mannschaften, Offizieren und Unteroffizieren darstellt. Ein Feldwebel war damals ein Unteroffizier mit „Portepee”, einer Schlaufe am Degen, die sonst nur Offiziere trugen. Dieser Begriff wird auch heute noch für die höherrangigen Unteroffiziere benutzt, jedoch gibt es mittlerweile keine Schlaufen am Degen mehr.

Eine lange Tradition haben ebenfalls die Bezeichnungen Gefreiter, Hauptmann und Oberst. Gefreite waren besonders versierte und tapfere Landsknechte und die Befehlshaber der Wache. Aus diesem Grund waren sie von der Wache befreit (daher „Gefreite”). Heutzutage stellt der Gefreite den niedrigsten Mannschaftsdienstgrad in der Bundeswehr dar. Hauptmänner waren zunächst alleinige Führer eines Heeres, bis man aufgrund der Vergrößerung der Heere mehrere Hauptmänner und somit einen obersten Hauptmann benötigte – kurz: Oberst.

Auch die Bezeichnung „Stabs”, wie beispielsweise in Stabsoffizier oder Stabsunteroffizier rührt aus früherer Zeit. Sie geht bis in die Antike zurück, wo der Stab als Kennzeichen des Oberkommandanten einer Streitmacht galt.

Abzeichen

Heute liest man den Dienstgrad eines Soldaten von den doch recht schlichten Dienstgradklappen an den Schultern der Uniform ab. Diese Tradition lässt sich auf die Rückbildung sogenannter Epauletten zurückverfolgen. Epauletten waren teilweise gewaltige Schulterstücke, die mit Metall unterlegt sowie mit zahlreichen Fransen dekoriert waren. Jedoch änderte sich diese pompöse Zurschaustellung von Dienstgraden drastisch, als man im ersten Weltkrieg feststellte, dass hochrangige Offiziere öfter zu Zielen von feindlichen Scharfschützen wurden.

Wenn dein Interesse an der Geschichte der Bundeswehr nun geweckt ist und du mehr erfahren möchtest, besuchst du am besten das Militärhistorische Museum in Dresden.

Heer, Luftwaffe und Marine – Gliederung der Teilstreitkräfte

Die Bundeswehr besteht aus drei Teilstreitkräften. Neben dem Heer gibt es die Luftwaffe und die Marine. Jede Teilstreitkraft hat wiederum drei Laufbahnen: Mannschaft, Unteroffizier und Offizier. Du musst dich also am Anfang deiner Karriere für eine Laufbahn entscheiden. Keine Sorge, ein Wechsel ist bei entsprechender Eignung durchaus möglich.

Im Folgenden zeigen wir dir die Bundeswehr Dienstgrade und Ränge der einzelnen Teilstreitkräfte und Laufbahnen auf. Falls du mehr Informationen zur Bewerbung bei der Bundeswehr benötigst, schau doch mal in unserem Artikel Bundeswehr Bewerbung vorbei.

Bundeswehr Dienstgrade und Ränge im Heer

Das Heer bildet das Zentrum der Landstreitkräfte und ist zu Friedenszeiten generell der größte Teil der Streitkräfte. Zu den Untergruppen des Heeres gehören:

  • Panzertruppe
  • Infanterie
  • Heeresaufklärungstruppe
  • Pioniertruppe
  • Heeresfliegertruppe
  • Artillerietruppe
  • Heereslogistiktruppe
  • Spezialkräfte
  • Fernmeldetruppe
  • Sanitätsdienst des Heeres

Dienstgrade der Mannschaften

Das Fundament jeder Teilstreitmacht bildet die Mannschaft. Diese hat zwar die niedrigsten Dienstgrade, dafür aber die vielfältigsten Aufgabenfelder. Ohne die Mannschaften funktioniert der gesamte Apparat Bundeswehr nicht – sie sind das Rückgrat der Bundeswehr.

Der Einstiegsdienstgrad für die Mannschaftslaufbahn ist abhängig von der jeweiligen Teilstreitkraft. So heißt der Einstiegsgrad für Soldaten beim Heer zum Beispiel Schütze, Grenadier, Funker, Jäger oder Pionier. In der Regel absolviert man die Grundausbildung mit diesem Dienstrang. Anschließend hat man die Möglichkeit je nach Schulabschluss, Dienstzeit und/oder Vorbildung höhere Dienstgrade zu erreichen.

 

Dienstgrad Mannschaft Mindestdienstzeit

Schütze, Grenadier, Funker, Jäger, Pionier Einstiegsdienstgrad

Gefreiter 3 Monate

Obergefreiter 6 Monate

Hauptgefreiter 12 Monate

Stabsgefreiter 36 Monate

Oberstabsgefreiter 48 Monate

 

Um die Laufbahn der Mannschaft attraktiver zu machen, hat die Bundeswehr zudem 2020 beschlossen ein Pilotprojekt zu starten, in dem zwei neue Spitzendienstgrade eingeführt werden: Korporal und Stabskorporal. Ende 2021 beziehungsweise zum 1. April 2022 sollen die ersten der 1.400 Posten besetzt werden.

Dienstgrade Unteroffiziere

Die Unteroffizierslaufbahn gliedert sich in Unteroffiziere ohne und mit Portepee, wobei letztere traditionsgemäß die ranghöheren Unteroffiziere sind. Darauf sind wir weiter oben im Artikel unter „Die Geschichte der Dienstgrade” bereits eingegangen. Unteroffiziere gelten wegen ihrer Fachkompetenz als die Allrounder der Bundeswehr.

Unteroffiziere ohne Portepee

Die meisten Unteroffiziere ohne Portepee sind auf ein Fachgebiet spezialisiert. Daher nennt man sie auch Fachunteroffiziere. Berufe im allgemeinen Fachdienst sind zum Beispiel Elektroniker, Luftbildauswerter, Kraftfahrzeugführer, Köche und Personalbearbeiter. Mit einer entsprechenden bereits erworbenen Ausbildung kannst du direkt mit dem Dienstgrad Unteroffizier eingestellt werden.

 

Dienstgrad Unteroffizier ohne Portepee Mindestdienstzeit

Unteroffizier 12 Monate

Fahnenjunker 12 Monate

Stabsunteroffizier 24 Monate

Unteroffiziere mit Portepee

Unteroffiziere mit Portepee tragen die Feldwebeldienstgrade und haben sich spezialisiert, beispielsweise als Truppführer, Gruppenführer oder Zugführer. Je nach der beruflichen Qualifikation und Berufserfahrung, wie eine abgeschlossene Berufs- oder Meisterausbildung, kannst du bereits mit einem höheren Dienstgrad eingestellt werden.

 

Dienstgrad Unteroffizier mit Portepee Mindestdienstzeit

Feldwebel 3 Jahre

Fähnrich 21 Monate

Oberfeldwebel 5 Jahre

Hauptfeldwebel 8 Jahre

Oberfähnrich 30 Monate

Stabsfeldwebel 16 Jahre als Unteroffizier mit Portepee

Oberstabsfeldwebel 19 Jahre als Unteroffizier mit Portepee

Bundeswehr Dienstgrade und Ränge der Offiziere

Die höchsten Dienstgrade der Bundeswehr belegen die Offiziere. Natürlich tragen sie auch die größte Verantwortung und müssen sich für die längste Mindestdienstzeit verpflichten (13 bis zu 17 Jahre). Neben Führung, Erziehung und Ausbildung der ihnen anvertrauten Truppe beschäftigen sie sich auch mit Verwaltungsaufgaben. Dazu gehören beispielsweise das Schreiben von Befehlen, die Ausbildungsplanung, die Beurteilungen und die Materialverwaltung.

Wenn du ein Medizin-, Zahn- oder Tiermedizinstudium abgeschlossen hast, kannst du in der Bundeswehr in deinem Fachgebiet tätig werden. Mit einem Pharmaziestudium hast du beispielsweise die Möglichkeit bei der Bundeswehr als Apotheker eingesetzt zu werden.

Offiziere im Sanitätsdienst können fertig ausgebildet zur Bundeswehr kommen oder aber das Studium während ihrer Dienstzeit an einer zivilen Universität absolvieren.

Du hast noch kein Studium abgeschlossen? Kein Problem, denn die Bundeswehr bietet jungen Offiziersanwärtern außerdem die Möglichkeit an einer der zwei Bundeswehruniversitäten zu studieren. Mehr zum Studium bei der Bundeswehr findest du in unserem Artikel „Studium bei der Bundeswehr” [Verlinken!].

Dienstgrad Offizier Mindestdienstzeit

Leutnant 3 Jahre

Oberleutnant 2,5 Jahre als Offizier

Hauptmann 5 Jahre als Offizier

Stabsarzt/Stabsapotheker/Stabsveterinär mit Approbation/staatlicher Prüfung

Stabshauptmann 15 Jahre als Offizier

Major 9 Jahre als Offizier

Oberstabsarzt/Oberstabsapotheker/

Oberstabsveterinär 2 Jahre als Sanitätsoffizier

Oberstleutnant 13 Jahre als Offizier

Oberfeldarzt/Oberfeldapotheker/

Oberfeldveterinär 5 Jahre als Sanitätsoffizier

Oberst 15 Jahre als Offizier

Oberstarzt/Oberstapotheker/

Oberstveterinär 10 Jahre als Sanitätsoffizier

Brigadegeneral (siehe nachfolgende Erklärung)

Generalarzt, Generalapotheker

Generalmajor

Generalstabsarzt

Generalleutnant

Generaloberstabsarzt

General

 

Um General zu werden, musst du zunächst die Offizierslaufbahn bis zum Oberst durchlaufen. Danach gibt es keine festgesetzte Mindestdienstzeit, jedoch ist eine Dienstzeit von mindestens einem Jahr im vorangegangenen Dienstgrad die Regel. Normalerweise war beispielsweise ein Brigadegeneral davor mehrere Jahre Oberst. Des Weiteren durchlaufen sämtliche Anwärter einen Grundlehrgang von dreieinhalb Monaten. Nach diesem wird gemäß Eignung sowie fachlichen Leistungen entschieden, wer an der Generalstabsausbildung teilnehmen darf. Dasselbe gilt analog für den Dienstgrad des Admirals bei der Marine.

Bundeswehr Dienstgrade und Ränge in der Luftwaffe

Die Luftwaffe ist hauptsächlich für die Sicherung des Luftraumes und der Lufttransporte zuständig. Sie besteht aus dem Luftwaffentruppenkommando und dem Zentrum für Luftoperationen.

Das Luftwaffentruppenkommando besteht aus taktischen Geschwadern, Lufttransportgeschwadern, Lufttransportgruppen des Hubschraubergeschwaders und aus der Flugbereitschaft des Bundesministeriums der Verteidigung. 

Die bodengebundene Luftverteidigung ist ein Teil der Luftraumsicherung. Flugabwehrraketengruppen schützen vor Angriffen aus der Luft. Die Wartung und Instandsetzung von vorhandenem Gerät der Luftwaffe erfolgt in der Einsatzlogistik. 

In der Kommandobehörde „Zentrum Luftoperationen“ erfolgt die Planung und Führung von Luftoperationen. In diesem Bereich der Streitkräfte startet man als Flieger. Die restliche Laufbahn entspricht bis auf den Veterinär der des Heeres.

Bundeswehr Dienstgrade und Ränge in der Marine

Der letzte Teil der Streitkräfte ist die Marine. Die Marine ist nicht nur in deutschen Hoheitsgewässern unterwegs, sondern auf allen Meeren der Welt. Dabei wird sie zum Schutz von Seewegen und Staatsbürgern eingesetzt. Auch die humanitäre Hilfe hat einen großen Stellenwert. Und letztlich erfolgt ihr Einsatz – wenn nötig – auch zur Verteidigung.

Zum Marinekommando gehören sowohl die Flotte, als auch etliche Unterstützungskräfte, wie Schiffe und Boote, Flugzeuge und Hubschrauber, Seesoldaten und Kampfschwimmer. Gemeinsam bilden sie die eigentliche Seestreitkraft.

Bei der Marine beginnt man als einfacher Matrose und kann in der Folge die folgenden Dienstgrade erreichen:

 

Dienstgrad Mannschaft Mindestdienstzeit

Matrose Einstiegsdienstgrad

Gefreiter 3 Monate

Obergefreiter 6 Monate

Hauptgefreiter 12 Monate

Stabsgefreiter 36 Monate

Oberstabsgefreiter 48 Monate

 

Dienstgrad Unteroffizier ohne Portepee Mindestdienstzeit

Maat 12 Monate

Seekadett 12 Monate

Obermaat 24 Monate

 

Dienstgrad Unteroffizier mit Portepee Mindestdienstzeit

Bootsmann 3 Jahre

Fähnrich zur See 21 Monate

Oberbootsmann 5 Jahre

Hauptbootsmann 8 Jahre

Oberfähnrich zur See 30 Monate

Stabsbootsmann 16 Jahre als Unteroffizier mit Portepee

Oberstabsbootsmann 19 Jahre als Unteroffizier mit Portepee

 

Dienstgrad Offizier Mindestdienstzeit

Leutnant zur See 3 Jahre

Oberleutnant zur See 2,5 Jahre als Offizier

Kapitänleutnant 5 Jahre als Offizier

Stabsarzt/Stabsapotheker/Stabsveterinär mit Approbation/staatlicher Prüfung

Stabskapitänleutnant 15 Jahre als Offizier

Korvettenkapitän 9 Jahre als Offizier

Fregattenkapitän 13 Jahre als Offizier

Flottillenarzt/Flottillenapotheker 5 Jahre als Sanitätsoffizier

Kapitän zur See 15 Jahre als Offizier

Flottenarzt/Flottenapotheker 10 Jahre als Sanitätsoffizier

Flottillenadmiral (siehe Erklärung bei „General”)

Admiralarzt

Konteradmiral

Admiralstabsarzt

Vizeadmiral

Admiraloberstabsarzt

Admiral

Bundeswehr Dienstgrade und Ränge – Gendern

Von großer Bedeutung bei der Bundeswehr ist die korrekte Anrede mit dem entsprechenden Dienstgrad. Bis jetzt (Stand Oktober 2020) wird bei der Bezeichnung der Dienstgrade kein Unterschied zwischen Männern und Frauen gemacht. So heißt es beispielsweise nicht „Hauptfrau” oder „Hauptgefreite”, sondern „Frau Hauptmann” und „Frau Hauptgefreiter”.

Deine Karriere, dein Ziel

Wie du siehst, bietet die Bundeswehr vielfältige Karrieremöglichkeiten. Selbst ohne Schulabschluss kannst du als Zeitsoldat bei den Mannschaften beginnen. Jedoch gilt, dass je höher deine schulische und akademische Bildung ist, desto höher sind deine Chancen auf einen hohen Rang. Denn letztlich sind alle Laufbahnen und Dienstgrade mit bestimmten Voraussetzungen verbunden. Über diese und den Prozess des Auswahlverfahrens kannst du dich auf der offiziellen Webseite der Bundeswehr informieren oder in unseren weiteren Artikeln zur Bundeswehr stöbern. Wir wünschen dir viel Erfolg!

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Quellen

https://www.bundeswehr.de

https://www.bundeswehr.de/de/ueber-die-bundeswehr/dienstgrade-laufbahnen-bundeswehr

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