So funktioniert der Denkfallen-Test
Der Test besteht aus vier kurzen Fragen. Bei jeder drängt sich sofort eine Antwort auf, und die ist oft falsch. Wer kurz innehält und die erste Idee noch einmal prüft, findet die richtige Lösung meist ohne Rechnen.
- Freie Antwort: Du tippst deine Antwort selbst ein. Antwortvorgaben würden die Falle verraten.
- Kein Zeitlimit: Nimm dir so viel Zeit, wie du willst. Meist dauert der Test etwa 2 Minuten.
- „Kannte ich schon“: Kennst du eine Frage bereits, setz den Haken. Wir zeigen dir dein Ergebnis dann zusätzlich ohne diese Frage.
- Auswertung sofort: Du siehst, welche Fallen du erkannt hast, die Lösung jeder Frage mit Erklärung und wie viele Teilnehmende der Originalstudie die Frage gelöst haben.
Was ist der Cognitive Reflection Test?
Der Cognitive Reflection Test (CRT) stammt von dem Ökonomen Shane Frederick (2005). Seine Fragen sind so gebaut, dass eine falsche Antwort schnell und überzeugend auftaucht. Ein Beispiel nach demselben Prinzip: Ein Füller und eine Mine kosten zusammen 2,20 Euro. Der Füller kostet 2 Euro mehr als die Mine. Was kostet die Mine? Fast jedem fallen zuerst 20 Cent ein. Richtig sind 10 Cent, denn dann kostet der Füller 2,10 Euro, und beides zusammen ergibt 2,20 Euro.
Dahinter steht die Unterscheidung zwischen schnellem, intuitivem Denken und langsamem, prüfendem Denken, die der Psychologe Daniel Kahneman in seinem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ bekannt gemacht hat. Der CRT misst, ob jemand die schnelle Antwort übernimmt oder sie noch einmal kontrolliert.
Die ursprünglichen Fragen sind inzwischen so bekannt, dass viele sie schon gesehen haben, und sie setzen etwas Rechnen voraus. Keela Thomson und Daniel Oppenheimer haben deshalb 2016 eine zweite Fassung entwickelt, den CRT-2, mit vier neuen Fragen, die kaum Rechenkenntnisse brauchen. Unser Test nutzt diese vier Fragen in einer deutschen Übersetzung. Die Beispielfrage oben gehört nicht dazu.
Was dein Ergebnis bedeutet
Du bekommst die Zahl richtiger Antworten von 0 bis 4 und siehst, wie oft du in die typische Falle getappt bist. Zum Vergleich: In der Originalstudie mit 143 Studierenden einer US-Universität wurden im Mittel 56 Prozent der Fragen richtig beantwortet, also gut 2 von 4. Die einzelnen Fragen lösten zwischen 16 und 83 Prozent.
- 4 von 4: Du hast alle Fallen erkannt.
- 2 bis 3: Das ist der typische Bereich.
- 0 bis 1: Deine Intuition war schneller als dein Nachprüfen. Das passiert sehr vielen Menschen und hat wenig mit Intelligenz zu tun.
Mit nur vier Fragen ist das Ergebnis eine grobe Momentaufnahme. Die Messgenauigkeit (Reliabilität) lag in der Originalstudie bei 0,51; für eine Aussage über eine einzelne Person ist das wenig. Ein kleiner Moment der Unaufmerksamkeit verschiebt das Ergebnis schon um einen ganzen Punkt.
Ist das ein Intelligenztest?
Nein. Der Denkfallen-Test misst eine Denkgewohnheit, nämlich ob du eine naheliegende Antwort noch einmal überprüfst. Das hängt mit Intelligenz zusammen, ist aber nicht dasselbe: Auch sehr kluge Menschen tappen in solche Fallen, wenn sie schnell antworten. Du bekommst deshalb keinen IQ-Wert. Wenn du dein logisches Denken mit einer IQ-Schätzung testen willst, mach unseren IQ-Test.
Denkfallen im Einstellungstest
In Einstellungs- und Eignungstests stecken ähnliche Fallen, vor allem in Textaufgaben und Logikfragen: ein überlesenes „nicht“, eine Einheit, die nicht passt, oder eine Zahl, die nur zur Ablenkung dasteht. Unter Zeitdruck ist die Versuchung groß, die erste Idee anzukreuzen. Drei Gewohnheiten helfen:
- Die Frage bis zum Ende lesen, bevor du rechnest.
- Das Ergebnis kurz rückwärts prüfen: Passt es zu allen Angaben in der Aufgabe?
- Bei Antworten, die „zu leicht“ wirken, einen zweiten Blick riskieren.
Übungsaufgaben mit Lösungen findest du in unseren Artikeln Logiktest üben und Der Logiktest.
Kann man das trainieren?
Wer die Fragen kennt, schneidet natürlich besser ab. Studien zeigen genau das: Teilnehmende, die schon einmal einen solchen Test gemacht hatten, lösten deutlich mehr Fragen (Stieger und Reips, 2016). Deshalb fragen wir nach, ob du eine Frage kennst, und deshalb fließen Wiederholungen nicht in die Statistik ein. Ob sich die Gewohnheit des Nachprüfens auch auf ganz neue Aufgaben überträgt, ist weniger klar. Für Prüfungen lohnt es sich trotzdem, die typischen Fallen zu kennen.
Datenschutz
Für den Test brauchst du kein Konto. Deine Antworten werden auf dem Server sofort als „richtig“, „typische Falle“ oder „andere Antwort“ eingeordnet; gespeichert wird nur diese Einordnung, nie dein Wortlaut. Dazu kommen die Zeiten, dein Ergebnis, die Geräteart und deine freiwilligen Angaben zu Alter, Geschlecht und Vorerfahrung. Wir speichern keinen Namen, keine E-Mail-Adresse, keine IP-Adresse und keinen Wohnort. Vor der Auswertung kannst du abwählen, dass dein Durchlauf in die anonyme Statistik einfließt.
Quellen und Lizenz
Die vier Fragen stammen aus: Thomson, K. S. & Oppenheimer, D. M. (2016). Investigating an alternate form of the cognitive reflection test. Judgment and Decision Making, 11(1), 99-113, journal.sjdm.org/15/151029/jdm151029.pdf. Lizenz: Creative Commons Namensnennung 3.0 (CC BY 3.0). Änderungen durch TestHelden: deutsche Übersetzung, Maßeinheiten in Frage 4 auf Meter umgestellt, Auswertungsregeln für freie Antworten. Die deutsche Fassung wurde nicht eigens wissenschaftlich geprüft. Die Autoren sind nicht mit TestHelden verbunden und haben diese Seite nicht geprüft.
- Frederick, S. (2005). Cognitive reflection and decision making. Journal of Economic Perspectives, 19(4), 25-42.
- Kahneman, D. (2012). Schnelles Denken, langsames Denken. München: Siedler.
- Sinayev, A. & Peters, E. (2015). Cognitive reflection vs. calculation in decision making. Frontiers in Psychology, 6, 532.
- Stieger, S. & Reips, U.-D. (2016). A limitation of the Cognitive Reflection Test: familiarity. PeerJ, 4, e2395.



