So funktioniert der Mentale-Rotation-Test
Du siehst nacheinander 40 Bildpaare. Jedes zeigt zwei Figuren aus aneinandergesetzten Würfeln. Die rechte Figur ist entweder dieselbe wie die linke, nur gedreht, oder ein Spiegelbild, das sich durch Drehen nie mit der linken zur Deckung bringen lässt. Du entscheidest so schnell wie möglich, aber ohne zu raten: „gleich“ oder „Spiegelbild“.
- 6 Übungsaufgaben mit Rückmeldung zeigen dir vorher, wie es geht.
- 40 Testaufgaben, je 10 mit einer Drehung von 0, 50, 100 und 150 Grad. Jeweils die Hälfte ist gleich, die andere Hälfte gespiegelt.
- 7,5 Sekunden je Bild, wie in der Originalstudie. Ist die Zeit abgelaufen, zählt die Aufgabe als nicht gelöst.
- Am Computer antwortest du mit den Tasten F (gleich) und J (Spiegelbild), am Handy tippst du auf die Knöpfe.
Insgesamt dauert der Test meist etwa 5 Minuten. Die Reihenfolge wird für jeden Durchlauf neu gemischt, die Bilder selbst stammen aus einem veröffentlichten Forschungsdatensatz (Quellen unten).
Was ist mentale Rotation?
Mentale Rotation heißt: Du drehst ein Objekt in Gedanken, um es mit einem anderen zu vergleichen. Das brauchst du ständig, ohne es zu merken, etwa beim Einparken, beim Lesen einer Landkarte oder beim Zusammenbauen eines Möbelstücks nach Anleitung.
Bekannt wurde die Aufgabe durch ein Experiment von Roger Shepard und Jacqueline Metzler aus dem Jahr 1971. Sie zeigten Versuchspersonen genau solche Würfelfiguren. Das Ergebnis: Je weiter die beiden Figuren gegeneinander gedreht waren, desto länger dauerte die Antwort, und zwar ziemlich gleichmäßig mit dem Winkel. Das spricht dafür, dass wir das Bild im Kopf tatsächlich Schritt für Schritt drehen, ähnlich wie ein echtes Objekt. Diesen Effekt siehst du nach dem Test auch in deinen eigenen Zeiten.
Mentale Rotation ist ein Teil des räumlichen Vorstellungsvermögens. Dazu gehören auch andere Fähigkeiten, zum Beispiel Würfelnetze falten oder sich in einem Gebäude orientieren. Ein einzelner Test erfasst davon nur einen Ausschnitt.
Was dein Ergebnis zeigt und was nicht
Nach dem Test bekommst du drei Dinge:
- Deine Trefferquote: wie viele der 40 Aufgaben du richtig gelöst hast.
- Deine Drehgeschwindigkeit: um wie viele Millisekunden deine Antworten pro Grad Drehung länger dauerten. Gerechnet wird mit dem Median deiner richtigen Antworten je Winkel.
- Den Vergleich mit der Originalstudie, getrennt nach Drehwinkel.
Die Vergleichswerte stammen aus der Validierungsstudie von Ganis und Kievit (2015): 54 Psychologie-Studierende, Durchschnittsalter 22 Jahre, am Laborcomputer mit Tastatur. Sie lösten bei 0 Grad Drehung 94,7 Prozent der Aufgaben, bei 50 Grad 92,7, bei 100 Grad 86,6 und bei 150 Grad 81,2 Prozent. Die mittlere Antwortzeit stieg von 1,8 auf 3,2 Sekunden. Über alle Aufgaben lagen sie im Mittel bei 88,8 Prozent richtig, mit einer Standardabweichung von 6,7 Prozentpunkten. Liegt deine Trefferquote innerhalb einer Standardabweichung um diesen Mittelwert, ordnen wir sie als „im Bereich der Pilotgruppe“ ein.
Wichtig für die Einordnung:
- Kein IQ-Test. Du bekommst keinen IQ-Wert und keinen Prozentrang für die Bevölkerung, weil es dafür keine passenden Normen gibt.
- Kleine, besondere Vergleichsgruppe. 54 Studierende im Labor sind keine Bevölkerung. Am Handy, mit Touch statt Tastatur oder auf einem kleinen Bildschirm sind die Zeiten fast immer langsamer.
- Andere Teilnehmende: Ab 30 gewerteten Durchläufen siehst du zusätzlich, wie du im Vergleich zu den bisherigen Teilnehmenden dieser Seite abschneidest. Auch diese Gruppe ist nicht repräsentativ.
Mentale Rotation im Einstellungstest
Aufgaben zum räumlichen Denken kommen in vielen Einstellungs- und Eignungstests vor, zum Beispiel bei Polizei, Bundeswehr, Luftfahrt und in technischen Ausbildungsberufen. Die Formate unterscheiden sich allerdings: Mal sollst du gedrehte Figuren vergleichen wie hier, mal ein Würfelnetz in Gedanken falten oder sagen, welche Seite eines Würfels wo liegt. Wie solche Aufgaben aussehen, erklären wir in den Artikeln zum Würfeltest, zum Würfelklappen-Test beim DLR und zum räumlichen Denken im Polizei-Einstellungstest.
Wenn du dein logisches Denken insgesamt testen willst, probier unseren IQ-Test. Er enthält neben Matrizen, Zahlenreihen und Aussagenlogik auch vier Aufgaben zum räumlichen Denken.
Kann man mentale Rotation trainieren?
Ja, räumliche Fähigkeiten gehören zu den Bereichen, in denen Übung nachweislich hilft. Eine große Übersichtsarbeit über mehr als 200 Trainingsstudien (Uttal und Kollegen, 2013) fand im Mittel deutliche Verbesserungen, die auch Wochen später noch messbar waren und sich teilweise auf andere räumliche Aufgaben übertrugen.
Für einen Einstellungstest heißt das: Wer die Aufgabenformate vorher übt, arbeitet schneller und sicherer. Das gilt auch für diesen Test. Wenn du ihn wiederholst, wirst du meist etwas besser. Wiederholungen fließen deshalb nicht in die Statistik ein.
Unterschiede zwischen Frauen und Männern
Mentale Rotation ist eine der wenigen kognitiven Aufgaben, bei denen Männer im Mittel etwas besser abschneiden. Wie groß der Unterschied ist, hängt stark vom Aufgabenformat, vom Zeitdruck und von Übung ab (Voyer, Voyer und Bryden, 1995). Über einzelne Menschen sagt ein solcher Mittelwert nichts: Die Ergebnisse von Frauen und Männern überschneiden sich stark, und Training wirkt bei beiden.
Datenschutz
Für den Test brauchst du kein Konto. Wir speichern deine Antworten, die Zeiten je Aufgabe, dein Ergebnis, die Geräteart (Handy, Tablet oder Computer) und deine freiwilligen Angaben zu Alter, Geschlecht und Vorerfahrung. Wir speichern keinen Namen, keine E-Mail-Adresse, keine IP-Adresse und keinen Wohnort. Vor der Auswertung kannst du abwählen, dass dein Durchlauf in die anonyme Statistik einfließt.
Quellen und Lizenz
Die Bilder der Aufgaben stammen aus: Ganis, G. & Kievit, R. A. (2015). A New Set of Three-Dimensional Shapes for Investigating Mental Rotation Processes: Validation Data and Stimulus Set. Journal of Open Psychology Data, 3(1), e3, doi.org/10.5334/jopd.ai. Stimulus-Set: doi.org/10.6084/m9.figshare.1045385. Lizenz: Creative Commons Namensnennung 4.0 (CC BY 4.0). Änderungen durch TestHelden: Bilder verkleinert und ins WebP-Format umgewandelt; Auswahl von 40 Bildern aus 10 Figuren, Ablauf, Texte und Auswertung. Die Autoren sind nicht mit TestHelden verbunden und haben diese Seite nicht geprüft.
- Shepard, R. N. & Metzler, J. (1971). Mental rotation of three-dimensional objects. Science, 171, 701-703.
- Uttal, D. H. u. a. (2013). The malleability of spatial skills: A meta-analysis of training studies. Psychological Bulletin, 139, 352-402.
- Voyer, D., Voyer, S. & Bryden, M. P. (1995). Magnitude of sex differences in spatial abilities: A meta-analysis and consideration of critical variables. Psychological Bulletin, 117, 250-270.



